„Die Jugend hat gesiegt!“
Ein Nachruf auf Jacques Mieses
Dieser Artikel erschien nach dem Tod von Jacques Mieses am 23. Februar 1954 in London. Er würdigt das Lebenswerk des Großmeisters und zeigt einige seiner schönsten Kombinationen.
„Die Jugend hat gesiegt!“
1954 (Nachruf)| Titel | „Die Jugend hat gesiegt!“ |
|---|---|
| Zeitraum | Nach Februar 1954 |
| Seite | 106 |
| Art | Nachruf |
Woher stammt der Titel?
Den Haag 1949: „Die Jugend hat gesiegt!“ – so, schreibt der Nachruf, „meinte der 84jährige Altmeister Jacques Mieses, als er in Den Haag 1949 eine Turnierpartie gegen den 86jährigen Holländer van Foreest gewann". Gemeint ist Dirk van Foreest; den Vornamen nennt der Artikel nicht.
Berühmtes Zitat
„Jetzt weiß ich erst, was für ein prächtiger Mensch ich bin!"
Der Nachruf enthält mehrere Diagramme mit brillanten Kombinationen aus Mieses' langer Karriere – eine würdige Erinnerung an sein taktisches Genie:
- Mieses–von Scheve Monte Carlo 1904
- Mieses–Albin Monte Carlo 1903
- Mieses–N.N. ca. 1906
- Perlis–Mieses Ostende 1907
Der Kemeri-Unfall 1937
Der Artikel erinnert an Kemeri 1937: Nach einem schweren Unfall – Mieses war beim Besteigen eines Omnibusses ausgerutscht – wurde er totgesagt, und es erschienen ehrende Nachrufe. Nach neun Monaten Krankenlager genas er, las seine eigenen Nekrologe mit Vergnügen und sagte, nun wisse er erst, was für ein prächtiger Mensch er sei. Eine Folge blieb allerdings: Mieses war seither gehbehindert, das rechte Bein um mehrere Zentimeter verkürzt.
„Diesmal aber ist sein Tod leider eine Tatsache" – so der Artikel über Mieses' tatsächlichen Tod am 23. Februar 1954 in London.
Vier Kombinationen als Nachruf
Statt einer Lebensbeschreibung stellt der Verfasser vier Diagramme nebeneinander – „eine kleine Blütenlese", wie er schreibt. Alle vier zeigen Mattbilder oder Abzugsschach, also genau das, wofür Mieses berühmt war.
| Partie | Zwischentitel | Die Pointe |
|---|---|---|
| Mieses – von Scheve Monte Carlo 1904 |
Rund um das Schachmatt | Der scheinbar gefesselte Läufer ist es nicht: 1.Bf4! leitet ein Matt ein, an dem noch der Bauer d5 mitwirkt. |
| Mieses – Albin Monte Carlo 1903 |
— | Beide Könige haben nicht rochiert. Weiß kündigt Matt in fünf Zügen an, mit einem Ablenkungsopfer im dritten. |
| Mieses – N. N. etwa 1906 |
— | Ein Turmendspiel, das nach schwerer Arbeit aussieht: 1.g4+ und 2.Rh4!! entscheiden es. „So einfach ist manchmal das Schachspiel!" |
| Perlis – Mieses Ostende 1907 |
Die Waffe des Abzugsschachs | Mieses mit Schwarz: 1…Bc3!! — ein Zug „à la Mieses", wie es in zeitgenössischen Berichten hieß. Eine Kette von Abzugsschachs holt die Dame. |
Die Notation folgt hier der englischen Schreibweise des Viewers; im Original stehen die deutschen Figurenbuchstaben. Die Ostender Partie gegen Julius Perlis brachte Mieses einen seiner Brillanzpreise ein – er spielte sie mit den schwarzen Steinen.
Der Ausschnitt endet unten auf Seite 106; der Beitrag lief auf der folgenden Seite weiter, die nicht überliefert ist. Dort wäre auch die Verfasserangabe zu erwarten gewesen. Welche Zeitschrift den Nachruf druckte, ist deshalb nicht bestimmbar – der Ausschnitt enthält keinen Kopf.