Wettkämpfe
Über sechs Jahrzehnte hinweg bestritt Jacques Mieses mehr als 20 Wettkämpfe gegen die stärksten Spieler seiner Zeit – von Emanuel Lasker bis Vera Menchik. Diese Duelle, oft über mehrere Wochen ausgespielt, waren die Königsdisziplin des Schachs und forderten nicht nur spielerisches Können, sondern auch psychologische Stärke und Ausdauer.
Emanuel Lasker, 1889
Leipzig · Verloren +0 =3 -5
Beide waren Anfang zwanzig, beide aus Leipzig – doch Lasker gewann deutlich und wurde später der zweite Weltmeister. Dieses frühe Aufeinandertreffen zeigt Mieses' Zugehörigkeit zur absoluten Weltelite seiner Jugend. Es war das Duell zweier aufstrebender Talente, die unterschiedliche Wege gehen sollten.
Akiba Rubinstein, 1909
Berlin · Verloren +3 =2 -5
Das dramatischste Match! Mieses gewann die ersten drei Partien – es waren Rubinsteins einzige Niederlagen des gesamten Jahres 1909! Obwohl Rubinstein sich erholte und das Match noch gewann, demonstrierte Mieses, dass er selbst gegen die absolute Weltspitze brillieren konnte. Ein Triumph des Angriffsspiels gegen den Meister der Positionsstrategie.
Siegbert Tarrasch, 1916
Berlin · Verloren +2 =4 -7
Ein Match unter Kriegsbedingungen. Die beiden kannten sich seit den 1880er Jahren und verkörperten unterschiedliche Schachphilosophien: Tarrasch die klassische Schule, Mieses die romantische. Der Preis – ein halbes Pfund Butter – zeigt die Entbehrungen der Zeit. Trotz der Niederlage ein Zeugnis der Leidenschaft für das Spiel inmitten des Weltkriegs.
Vera Menchik, 1942
London · Verloren +1 =5 -4
Mit 77 Jahren trat Mieses gegen die amtierende Damenweltmeisterin an. Das Match endete knapp zugunsten von Menchik – ein Beweis für Mieses' ungebrochene Spielstärke im hohen Alter. Menchik, die stärkste Spielerin ihrer Zeit, hatte bereits zahlreiche männliche Meister besiegt. Dass Mieses mit über 75 Jahren noch ein ausgeglichenes Match lieferte, war bemerkenswert.
Alle Wettkämpfe im Überblick
| Jahr | Gegner | Ort | Ergebnis | Score | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| 1889 | Emanuel Lasker | Leipzig | Verloren | +0 =3 -5 | Duell zweier 24-Jähriger; Lasker wurde später Weltmeister |
| 1894 | Carl Walbrodt | Berlin | Unentschieden | +5 =3 -5 | |
| 1895 | David Janowski | Paris | Unentschieden | +6 =0 -6 | Dramatisches Match ohne Remis |
| 1895 | Richard Teichmann | London | Verloren | +1 =1 -4 | |
| 1897 | Horatio Caro | – | Unentschieden | – | Caro der „Caro-Kann-Verteidigung" |
| 1905 | Paul Leonhardt | – | Gewonnen | – | |
| 1909 | Akiba Rubinstein | Berlin | Verloren | +3 =2 -5 | Mieses gewann sensationell die ersten 3 Partien – Rubinsteins einzige Niederlagen des Jahres |
| 1909 | Carl Schlechter | – | Gewonnen | +2 -1 | |
| 1916 | Siegbert Tarrasch | Berlin | Verloren | +2 =4 -7 | Während des Ersten Weltkriegs; Preis: ein halbes Pfund Butter |
| 1942 | Vera Menchik | London | Verloren | +1 =5 -4 | Gegen die Damenweltmeisterin; Mieses war 77 Jahre alt |
| 1945 | Gerald Abrahams | Glossop | Gewonnen | – | Mit 80 Jahren! |
Wettkämpfe vs. Turniere
Während Turniere mehrere Spieler über wenige Runden zusammenführten, waren Wettkämpfe intensive Duelle zwischen zwei Meistern über viele Partien. Sie erforderten tiefe Vorbereitung auf den spezifischen Gegner und psychologische Ausdauer. Für Mieses waren sie eine Gelegenheit, seinen angriffsfreudigen Stil über mehrere Partien hinweg zu entfalten.
Statistik
Von seinen über 20 dokumentierten Wettkämpfen gewann Mieses etwa ein Drittel, verlor die Hälfte und spielte mehrere unentschieden. Seine Gegner lesen sich wie ein Who's Who des Schachs: Lasker, Rubinstein, Tarrasch, Janowski, Schlechter – allesamt Weltklassespieler. Dass Mieses noch mit 80 Jahren einen Wettkampf gewann, unterstreicht seine außergewöhnliche Langlebigkeit.
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