Häufig gestellte Fragen
Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Jacques Mieses, seiner Schachkarriere und der nach ihm benannten Eröffnung.
Über Jacques Mieses
Jacques Mieses (1865-1954) war ein deutsch-britischer Schachmeister, der über 70 Jahre lang auf höchstem Niveau spielte. Geboren in Leipzig, wurde er zu einem der langlebigsten Turnierspieler der Schachgeschichte. Er spielte gegen alle großen Meister seiner Zeit, von Pillsbury und Lasker bis zu Botvinnik und Reshevsky.
Mehr über sein Leben erfahren Sie auf der Startseite.
Jacques Mieses wurde am 27. Februar 1865 in Leipzig geboren. Er starb am 23. Februar 1954 in London, nur vier Tage vor seinem 89. Geburtstag. Seine Schachkarriere erstreckte sich von den 1880er Jahren bis in die 1950er Jahre.
Mieses spielte über 70 Jahre lang auf internationalem Niveau – von seinem ersten großen Turnier in Leipzig 1888 bis zu seinen letzten Partien in den 1950er Jahren. Er nahm an über 100 internationalen Turnieren teil, darunter Hastings 1895, San Sebastián 1911 und Baden-Baden 1925.
Mieses gewann durchaus bedeutende Turniere – etwa Wien 1907 und Liverpool 1923 – doch bei den ganz großen Events der Weltspitze reichte es meist nicht zum ersten Platz. Er gehörte jahrzehntelang zur erweiterten Weltelite, stand aber im Schatten von Zeitgenossen wie Lasker, Tarrasch und Rubinstein, die heute bekannter geblieben sind.
Seine Wettkämpfe gegen Lasker und andere Größen zeigen jedoch sein hohes Niveau.
Nein, Mieses war nie Weltmeister. Er gehörte jedoch zur erweiterten Weltspitze und spielte gegen alle Weltmeister seiner Zeit: Steinitz, Lasker, Capablanca, Aljechin und Euwe. Seine besten Turnierergebnisse waren Plätze im oberen Mittelfeld bei Weltklasse-Events.
Die Mieses-Eröffnung
Die Mieses-Eröffnung ist der Eröffnungszug 1.d3 für Weiß. Sie ist nach Jacques Mieses benannt, der diese bescheidene Eröffnung gelegentlich spielte. Der Zug ist solide, aber nicht besonders ambitioniert – er bereitet eine flexible Entwicklung vor, ohne sofort das Zentrum zu besetzen.
Mehr Details finden Sie auf der Seite Eröffnungen.
Nach 1.d3 folgt typischerweise eine flexible Aufstellung mit Zügen wie Sf3, e3 oder e4, Ld2, Sbd2 und 0-0. Die Idee ist, eine solide Position aufzubauen und auf die Pläne des Gegners zu reagieren. Die Eröffnung vermeidet scharfe theoretische Varianten und führt zu ruhigen, strategischen Stellungen.
Die Mieses-Eröffnung ist solide, aber nicht optimal. Sie verzichtet auf den Vorteil des ersten Zuges, indem sie das Zentrum nicht sofort besetzt. Gegen starke Gegner kann Schwarz leicht eine komfortable Stellung erreichen. Die Eröffnung eignet sich für Spieler, die theoretische Duelle vermeiden möchten oder eine überraschende Waffe suchen.
Die Mieses-Eröffnung wird selten auf Großmeisterniveau gespielt. Gelegentlich nutzen Spieler sie als Überraschungswaffe oder in Blitzpartien. Historisch spielte sie außer Mieses selbst kaum ein Spitzenspieler regelmäßig. In der modernen Praxis findet man sie eher in Amateur- und Online-Partien.
Schachgeschichte
Jacques Mieses gehört zu den ältesten aktiven Schachmeistern der Geschichte. Er spielte Turnierpartien bis ins Alter von über 85 Jahren. Andere bemerkenswert langlebige Meister waren Viktor Kortschnoi (1931–2016), der bis 85 spielte, und Juri Awerbach (1922–2022), der über 100 Jahre alt wurde.
Der offizielle Großmeistertitel wurde 1950 von der FIDE eingeführt. Mieses erhielt den Titel nie offiziell, da er zu diesem Zeitpunkt bereits 85 Jahre alt war und seine aktive Karriere beendet hatte. Historisch wird er jedoch als Meister seiner Zeit anerkannt, was dem heutigen Großmeistertitel entspricht.
Viele jüdische Schachmeister flohen in den 1930er Jahren vor der nationalsozialistischen Verfolgung. Jacques Mieses emigrierte 1938 nach England. Emanuel Lasker floh zunächst nach Russland, dann in die USA, wo er 1941 starb. Siegbert Tarrasch starb 1934 in München, bevor die schlimmste Verfolgung begann. Andere wie Samuel Reshevsky und Reuben Fine gingen in die USA. Tragischerweise wurden einige Meister Opfer des Holocaust, darunter Dawid Przepiórka. Andere, wie Akiba Rubinstein, überlebten im Versteck, kehrten aber nie zum Turnierschach zurück.
Das „goldene Zeitalter" des Schachs wird oft auf den Zeitraum von 1890 bis 1914 datiert. In dieser Ära spielten Meister wie Lasker, Tarrasch, Pillsbury, Capablanca und Rubinstein. Große Turniere wie Hastings 1895 und San Sebastián 1911 prägten diese Epoche. Mieses war ein aktiver Teilnehmer dieser Zeit.
Mieses' Bücher
Mieses schrieb mehrere Schachbücher, darunter Eröffnungsführer, Turnierbücher und seinen populären „Schachlotsen". Er war auch als Schachjournalist tätig und schrieb für zahlreiche Schachzeitschriften. Eine vollständige Liste seiner Werke finden Sie auf der Seite Bücher.
Viele von Mieses' Büchern sind als antiquarische Exemplare erhältlich oder wurden digitalisiert. Einige sind über Archive wie das Internet Archive oder Google Books zugänglich. Für einige seiner bekanntesten Werke gibt es moderne Nachdrucke. Links zu verfügbaren Ressourcen finden Sie auf unserer Links-Seite.
Website & Ressourcen
Diese Website wird von Schachhistorikern und -enthusiasten betrieben, die das Vermächtnis von Jacques Mieses bewahren möchten. Das Projekt ist nicht-kommerziell und dient der historischen Dokumentation und Bildung.
Die Informationen stammen aus historischen Schachzeitschriften, Turnierbüchern, Datenbanken wie ChessBase und wissenschaftlichen Publikationen. Alle Partien wurden aus zuverlässigen Quellen entnommen und verifiziert. Weitere Quellen finden Sie auf der Links-Seite.
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