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Turniere von Jacques Mieses | Chronologische Übersicht 1888-1950

Turniere von Jacques Mieses

Jacques Mieses' Turnierkarriere umspannt fast sieben Jahrzehnte, von den Klubturnieren der Augustea Leipzig 1882 bis zu seinem letzten internationalen Turnier in Hastings 1949/50. Auf der internationalen Bühne stand er 62 Jahre, vom Meisterturnier-Debüt in Nürnberg und Leipzig 1888 bis zum letzten Auftritt in Hastings. Eine Karrierespanne ohne Vergleich in der Schachgeschichte.


Klubturniere und Jugend (1880er Jahre)

Vor seinem Meisterturnier-Debüt 1888 spielte Mieses in den Klubturnieren der Augustea Leipzig und der Berliner Schachgesellschaft. Diese frühen Erfolge bahnten den Weg zur ersten Einladung in ein deutsches Meisterturnier.

  • 1882: Leipzig, Winterturnier der Augustea – 1. Platz
    Erster dokumentierter Turniererfolg, mit 17 Jahren. Die Deutsche Schachzeitung vermerkte ausdrücklich, dass die stärkeren Spieler nicht teilgenommen hätten. Quelle: DSZ 1882.
  • Winter 1883/84: Leipzig, Winterturnier der Augustea – 1. Platz
    Zweiter Sieg in Folge, diesmal in einem Feld von mindestens elf Spielern und sechs Preisträgern. Aus diesem Turnier stammt die früheste erhaltene Partiestellung von Mieses, eine Gewinnstellung mit Schwarz gegen A. Roegner vom 13. November 1883. Quelle: DSZ 1883.
  • Sommer 1884: Leipzig, Sommerturnier der Augustea – 1. Platz
    Dritter Sieg in Folge bei der Augustea. Der junge Mieses hatte das Feld in wenigen Jahren so gründlich dominiert, dass der Verein ihm kaum noch angemessene Gegner bieten konnte. Quelle: DSZ 1884.
  • 1887/88: Berlin, Winterturnier der Berliner Schachgesellschaft – 2. Preis
    Hinter Horatio Caro, vor Heinrich Ranneforth. Quelle: Deutsche Schachzeitung, Juni 1888.

Frühe Karriere (1888-1900)

In dieser Phase etablierte sich Mieses als internationaler Meister und spielte gegen die größten Namen seiner Zeit.

  • August 1888: Nürnberg, BSB-Kongress – Geteilter 2. Platz
    Meisterturnier-Debüt mit Hermann von Gottschall, hinter Tarrasch. Sondererlaubnis zur Teilnahme nach Initiative Leipziger Schachfunktionäre.
  • Dezember 1888: Leipzig, Stiftungsfest der Augustea3. Platz
    Sieg gegen Tarrasch. Das erste internationale Meisterturnier folgte ein halbes Jahr später in Breslau.
  • 1889: Breslau, 6. DSB-Kongress – 3. Platz
    Hinter Burn und Tarrasch
  • 1893: Kiel, 8. DSB-Kongress – 7. von 9
    Deutscher Schachbund Kongress
  • 1894: Leipzig, 9. DSB-Kongress – 10. von 18
    Deutscher Schachbund Kongress
  • 1895: Hastings20. Platz (7½/21)
    Legendäres Turnier mit Lasker, Steinitz, Tarrasch, Pillsbury
  • 1897: Berlingeteilter 3.–4. Platz
    Starkes Ergebnis in der Hauptstadt

Höhepunkt der Karriere (1900-1914)

Mieses erreichte seine beste Form und gehörte zur erweiterten Weltspitze.

  • 1900: ParisGeteilter 7. Platz Brillanzpreis
    Brillante Partie gegen Janowski
  • 1901: Monte Carlo – 6. Platz
    Erstes der berühmten Monte-Carlo-Turniere; Sieger Janowski
  • 1902: Monte Carlo – 12. Platz
    Großes internationales Turnier (20 Teilnehmer); Sieger Maróczy
  • 1902: Hannover, 13. DSB-Kongress – 4. Platz
    Vor Wolf, Chigorin und Marshall
  • 1903: Monte Carlo8. Platz
    Starkes Feld in mondänem Ambiente
  • 1903: Wien – geteilter 5.–7. Platz
    Königsgambit-Thementurnier des Wiener Schachklubs (nur angenommenes Königsgambit). Nach der Niederlage gegen den bis dahin erfolglosen Gunsberg spottete Mieses: „Von einer Leiche überfahren zu werden, ist entsetzlich.“
  • 1904: Monte Carlo (Rice-Gambit-Thementurnier) – 3. Platz
    Thematisches Turnier zum Rice-Gambit; hinter Swiderski und Marshall
  • 1904: Cambridge Springs8.–9. Platz
    Starkes internationales Feld in den USA
  • 1904: Coburg, Meisterturnier – geteilter 6.–7. Platz
    Partie gegen Bernstein
  • 1905: Barmen – Brillanzpreis
    Brillante Partie gegen von Bardeleben
  • 1906: Stockholm – 3. Platz
    Sieg über Chigorin
  • 1906: Ostende – Teilnahme
    Internationales Meisterturnier
  • 1907: Wien, Trebitsch-Memorial1. Platz
    Größter Turniererfolg seiner Karriere!
  • 1907: Ostende, Meisterturnier3.–4. Platz
    Geteilter dritter Platz bei Weltklasse-Event
  • 1907: Karlsbad – 16.–18. Platz
    21 Teilnehmer — fast die gesamte Weltelite (nur Lasker und Tarrasch fehlten). Sieger: Akiba Rubinstein vor Maróczy und Nimzowitsch.
  • 1908: Wien – Brillanzpreis
    Brillante Partie gegen Schlechter
  • 1909: St. Petersburg, Chigorin Memorial – 11.–12. Platz
    Gedenkturnier für den russischen Meister
  • 1911: San Sebastián Turnierdirektor
    Als Organisator setzte Mieses erstmals die vollständige Kostenübernahme für Spieler durch — ein Meilenstein für das professionelle Schach. Capablancas Durchbruch.
  • 1912: San Sebastián – Turnierdirektor
    Folgeturnier, doppelrundig mit elf Spielern. Capablanca sagte kurz vor Beginn ab; Rubinstein gewann mit 12,5/20.

Späte Karriere (1920-1950)

Auch im fortgeschrittenen Alter blieb Mieses aktiv und erzielte bemerkenswerte Erfolge.

  • 1920: Göteborg – Starkes Ergebnis
    2709 Performance-Rating
  • 1923: Liverpool1. Platz
    Vor Maróczy, Thomas und Yates
  • 1923: Scheveningen – geteilter 6.–7. Platz
    Internationales Meisterturnier
  • 1923/24: Hastings (Christmas Congress) – 8. Platz
    Erste Hastings-Teilnahme nach achtundzwanzig Jahren (zuletzt 1895). Premier-Section, neun Runden. Sieger Max Euwe mit 7½/9; Mieses 3/9 nach schwachem Auftakt (½ aus 4 Runden).
  • 1924: Leipzig – Geteilter 1. Platz
    Im Klub Augustea, in dem Mieses 1888 sein Meisterdebüt gegeben hatte. Geteilter Sieg mit Teichmann.
  • 1924/1927: SchacholympiadenNationalspieler
    Paris 1924 (inoffiziell) und London 1927 für Deutschland
  • 1925: Baden-Baden19. Platz
    Mit 60 Jahren gegen die neue Generation
  • Oktober 1928: Berliner Tageblatt-Jubiläumsturnier, Berlin – Turnierdirektor
    Zum 40-jährigen Jubiläum von Mieses' Schachspalte im Berliner Tageblatt richtete der Mosse-Verlag ein Achterturnier im Ping-Pong-Saal des Café König aus (Unter den Linden, Ecke Friedrichstraße). Capablanca gewann mit 8½/12 ungeschlagen vor Nimzowitsch; Tarrasch schied nach drei Runden krankheitsbedingt aus. Preisgeld 5.200 Mark (2.000/1.400/1.000/800). Mieses' bedeutendste organisatorische Leistung seit San Sebastián 1911.
  • 1930: Venedig – 1. Platz (3/4)
    Fünf-Spieler-Rundenturnier. Mit 65 Jahren erster Alleingewinn seit Liverpool 1923 und letzter seiner Karriere. Vor Eugenio Szabados.
  • 1930: Paris – 9. Platz
    Internationales Turnier
  • 1930: Frankfurt am Main – 9. Platz
    Internationales Turnier. Quelle: QCH 2/1999.
  • 1930: Zwickau – Geteilter 3. Platz
    Mitteldeutsches Meisterturnier. Quelle: QCH 2/1999.
  • Januar 1935: Brüssel – Geteilter 1. Platz
    4-Spieler-Rundturnier. 2/3 Punkte, geteilter 1. Platz mit Jerochoff vor O'Kelly und L. Jung. Alle sechs Partien dokumentiert. – Quelle: Wiener Schachzeitung 1935, S. 28
  • April/Mai 1935: Margate Premier – 10. Platz (2½/9)
    Mit 69 Jahren als ältester Teilnehmer gegen Reshevsky (Sieger) und Capablanca. Einziger Sieg gegen Vera Menchik. Berühmt durch „Das Damengambit"
  • April 1937: Margate Premier Reserves, Section C – 1. Platz (7½/9)
    Mit 72 Jahren klarer Turniersieg (über 80%) vor Sacconi (Italien), Van Seters und van Doesburgh (Niederlande). Parallel zum Hauptturnier mit Fine/Keres. – Quellen: Los Angeles Times 18.4.1937; Wiener Schachzeitung 1937, S. 101–102
  • 1937: KemeriTeilnahme
    Autobus-Unfall mit schweren Folgen — Rekonvaleszenz in Leipzig
  • Dez. 1938/Jan. 1939: Hastings (Premier Reserves A) – Geteilter 2. Platz (5½/9)
    Erstes Turnier in England nach der Emigration. Sieger Imre Koenig (Jugoslawien) mit 6/9; Mieses teilte den zweiten Platz mit Markas Luckis (Litauen) bei je 5½ Punkten. White Rock Pavilion, 28. Dezember 1938 – 6. Januar 1939. – Quelle: BritBase, Hastings 1938/39.
  • 1946: Hastings – Schönheitspreis
    Mit 80 Jahren ausgezeichnet für brillante Partie!
  • Jan./Feb. 1948: Schweden-Tournee – Simultanreise
    Vierwöchige Tournee durch ca. 10 Städte. „Die anstrengendste meines ganzen Lebens" – Quelle: Hanna de Mieses Family Collection
  • 1948: Stockholm – geteilter 3.–5. Platz
    Letztes großes internationales Turnier mit 83 Jahren
  • Dez. 1948/Jan. 1949: Hastings (Premier Reserves) – 3½/9 Schönheitspreis
    Gewann den Schönheitspreis gegen E.G. Sergeant — gestiftet von seinen Mitspielern.
  • Feb./März 1949: Belgien/Luxemburg – Geplante Tournee
    Möglicherweise bis Elsass-Lothringen. Status unklar – Quelle: Hanna de Mieses Family Collection
  • 26. März 1949: Den Haag – Ausstellungspartie vs. Dirk van Foreest (86) – Sieg
    Arrangiert vom Königlichen Niederländischen Schachverband. Kombiniertes Alter: 170 Jahre. „Die Jugend hat gesiegt!"
  • Aug.–Okt. 1949: Deutschland/Holland – Reise
    Berlin (literarische Angelegenheit), Leipzig (eine Woche), Holland – Quelle: Hanna de Mieses Family Collection
  • Dez. 1949/Jan. 1950: Hastings (Premier Reserves A) – 1½/8 Letztes Turnier
    Mieses' letztes Turnier — 54 Jahre nach dem legendären ersten Hastings-Turnier von 1895, als einziger noch lebender Teilnehmer.
  • Sept. 1950: Pfalz/Westfalen – Simultantournee
    Sieben Städte in zwölf Tagen (Zweibrücken, Pirmasens, Oggersheim, Worms, Siegen, Lüdenscheid, Münster). Die DSZ kommentierte: „Noch nie hat ein Meister von auch nur annähernd seinem Alter es gewagt, eine Schachrundreise zu unternehmen."
  • Feb./März 1950: Isle of Man – Einladung
    Einmonatige Einladung – Quelle: Hanna de Mieses Family Collection
  • März 1952: Simultanvorstellung – 7 Siege, 2 Remis
    Gegen 9 Gegner, mit 87 Jahren nach fünfwöchiger Krankheit – Quelle: Hanna de Mieses Family Collection

Wussten Sie?

  • Mieses' Turnierkarriere erstreckte sich über fast sieben Jahrzehnte (1882–1950), davon 62 Jahre auf der internationalen Bühne. Eine Spanne, die bis heute unübertroffen ist.
  • Er nahm an über 100 internationalen Turnieren teil
  • Mit 83 Jahren belegte er noch den geteilten 3.–5. Platz in Stockholm
  • Sein größter Erfolg war der Sieg beim Trebitsch-Memorial 1907 in Wien
  • Bei der historischen Elo-Berechnung erreichte er 2595 Punkte (1907)

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