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Wettkampf Mieses–Pomar

London, Anfang 1946

Zwei Partien in den Gambit Chess Rooms, einem bekannten Londoner Schachcafé. Arturo Pomar, vierzehn Jahre alt, gewann mit 1,5 zu 0,5. Zwischen den beiden Gegnern lagen sechsundsechzig Jahre und sechs Monate. Ein genaues Datum ist nicht überliefert.

Der Anlass

Anfang 1946 spielte Arturo Pomar in London ein Turnier. Die Haager Zeitung De nieuwe Nederlander schrieb im April darüber, es habe in der englischen Presse einen weit größeren Platz eingenommen als Hastings, obwohl beide Turniere ungefähr gleichwertig gewesen seien. Den Unterschied machte nach ihrem Urteil allein, dass in London ein Wunderkind mitspielte. Pomar, geboren am 1. September 1931 in Palma de Mallorca, war vierzehn Jahre alt. Prins schrieb über ihn, sein wohlverdienter Platz inmitten so vieler erfahrener Meister sei eine Sensation.

Arturo Pomar als Jugendlicher am Schachbrett, Aufnahme vom Turnier in Baarn 1947
Arturo Pomar am 9. Mai 1947 beim internationalen Turnier im Astoria Chalet in Baarn, gut ein Jahr nach dem Londoner Wettkampf. Die Identifizierung stammt aus der Verzeichnung des Nationaal Archief (Fotocollectie Anefo, Bestanddeelnummer 902-1556), nicht aus einer Bildunterschrift von 1947. Aufnahme: Bram Wisman. Bildquelle: Nationaal Archief, CC0.

Mieses hatte im Januar 1946 selbst in Hastings gespielt. Er war dort der einzige noch lebende Teilnehmer des Turniers von 1895, mit dem die Reihe fünfzig Jahre zuvor begonnen hatte.

Wann die beiden in den Gambit Chess Rooms aufeinandertrafen, ist nicht überliefert. Zwei Marken grenzen die Zeit ein. De nieuwe Nederlander setzt die beiden Partien hinter das Londoner Turnier, und der früheste bekannte Abdruck der erhaltenen Partie erschien am 16. März 1946 in De Groene Amsterdammer. Mieses, geboren am 27. Februar 1865, war in diesem Zeitraum achtzig oder einundachtzig, je nachdem, auf welches Datum der Wettkampf fällt. Die drei Rubriken, die die Partie abdruckten, nennen 81, 81 und 82 Jahre.

Das Nieuwsblad van het Noorden beschrieb die Begegnung als Treffen zwischen dem jüngsten und dem ältesten Schachmeister der Welt.

Verlauf

PartieAnzugEröffnungErgebnis
erhaltenMiesesSizilianische Verteidigung, 2.b30–1 Pomar
nicht aufgefundennicht ermitteltnicht ermitteltRemis
EndstandPomar 1,5 – Mieses 0,5

Welche der beiden Partien zuerst gespielt wurde, ist in keiner der Quellen vermerkt. Nur eine von beiden ist bisher aufgefunden, die Niederlage von Mieses mit Weiß. Dass die andere remis endete, folgt aus dem Endstand; ein Bericht über sie fehlt.

Der Wettkampf blieb nicht der letzte von Mieses. Im Juli 1946 folgte in Amsterdam ein Wettkampf gegen Willem Schelfhout, der 2 zu 2 endete.

Die erhaltene Partie

Mieses–Pomar, Sizilianische Verteidigung

Mieses führte Weiß und beantwortete 1...c5 mit 2.b3, danach folgten g3 und der Aufbau mit zwei Läufern auf den langen Diagonalen. Pomar nahm im 19. Zug mit 19...Sxd4 einen Bauern und gab ihn nicht mehr her. Nach dem Damentausch blieben ungleichfarbige Läufer auf dem Brett, was den Gewinn erschwerte. Mit 34.Txa7 griff Mieses nach dem letzten Bauern der Gegenseite und ließ 34...Tc1+ zu; nach 35.Kg2 setzte 35...Tg1 matt. Die Anmerkungen im Viewer stammen aus den niederländischen Rubriken, die die Partie abdruckten.

Partiedaten und Notation
WeißMieses, Jacques
SchwarzPomar Salamanca, Arturo
AnlassWettkampf Mieses - Pomar, Gambit Chess Rooms, London
Datum1946
EröffnungSizilianische Verteidigung, 2.b3 (ECO B20)
Ergebnis0–1
QuelleDe Groene Amsterdammer, Jg. 70, Nr. 11, 16. März 1946, S. 7; Nieuwsblad van het Noorden, 23. April 1946; Zutphensch dagblad, 18. Mai 1946

1. e4 c5 2. b3 2... d6 3. g3 Nf6 4. Bg2 g6 5. Bb2 Bg7 6. Ne2 Nc6 7. Nbc3 O-O 8. Nd5 Bg4 9. Nxf6+ exf6 10. f3 Bd7 11. O-O Re8 12. Nf4 Ne5 13. Nd5 f5 14. d4 14... Nc6 15. c3 cxd4 16. cxd4 Be6 17. Ne3 17... Qb6 18. exf5 18... Bxb3 19. Qd3 Nxd4 20. Kh1 Bc2 21. Nxc2 Qxb2 22. Nxd4 Qxd4 23. Qxd4 Bxd4 24. Rad1 Bc5 25. fxg6 hxg6 26. f4 26... Rab8 27. Rfe1 b6 28. Bc6 Rxe1+ 29. Rxe1 Kf8 30. f5 Rc8 31. Ba4 g5 32. f6 Bd4 33. Re7 g4 34. Rxa7 34... Rc1+ 35. Kg2 Rg1# 0-1

Notation in englischer Schreibweise, wie im Viewer.

Lodewijk Prins hielt den Ausgang nach 34.h4 oder 34.Kg2 noch für offen. Seine Erklärung für die Niederlage steht in der Anmerkung zum 26. Zug:

„Dass Pomar die Partie dennoch gewinnt, und so schnell, muss der Ermüdung seines hochbetagten Gegners zugeschrieben werden.“

L. Prins, De Groene Amsterdammer, 16. März 1946, S. 7. Übersetzung aus dem Niederländischen; der Wortlaut des Originals steht unten bei den Quellen.

Textkritische Anmerkung

Die drei Abdrucke der Partie weichen im 29. Zug voneinander ab. De Groene Amsterdammer druckt den schwarzen Königszug als Kf8–e8. Der schwarze König stand zu diesem Zeitpunkt jedoch auf g8, so dass weder Ausgangs- noch Zielfeld stimmen können. Das Nieuwsblad van het Noorden und das Zutphensch dagblad haben Kg8–f8; von den beiden überlieferten Lesarten ist nur diese regelkonform. Der Zugtext der PGN-Datei folgt ihr.

Die vollständige Zugfolge wurde mit python-chess auf Regelkonformität geprüft. Sie läuft ohne Beanstandung durch und endet nach 70 Halbzügen mit Matt.

Offene Fragen

  • Das genaue Datum des Wettkampfs ist unbekannt. Belegt ist nur, dass er nach dem Londoner Turnier und vor dem 16. März 1946 stattfand.
  • Die Reihenfolge der beiden Partien ist nicht dokumentiert.
  • Die zweite Partie ist bisher nicht aufgefunden. Ob sie überhaupt notiert wurde, ist offen.

Wer zu einem dieser Punkte etwas beitragen kann, insbesondere aus der britischen oder spanischen Schachpresse des Jahres 1946, ist um eine Nachricht über das Impressum gebeten.

Quellen

  • De Groene Amsterdammer, weekblad voor Nederland, Jg. 70, Nr. 11, 16. März 1946, S. 7, Rubrik „schaken“, gezeichnet L. Prins. Das oben übersetzte Urteil lautet im Original: „Dat Pomar de partij toch, en zoo snel, wint moet aan vermoeidheid van zijn hoogbejaarden tegenstander worden toegeschreven.“
  • Nieuwsblad van het Noorden, 23. April 1946, Schaakrubriek des Noordelijken Schaakbonds.
  • De nieuwe Nederlander, ’s-Gravenhage, Jg. 1, Nr. 288, 20. April 1946, S. 7, Schachrubrik „Het schaakwonderkind Arturito Pomar. Zijn loopbaan en prestaties“.
  • Zutphensch dagblad, 18. Mai 1946, Rubrik A. van Steenis.
  • D. J. Morgan, Quotes and Queries 3744, British Chess Magazine, September und Oktober 1976.

Die vier niederländischen Blätter sind über Delpher zugänglich.

Aus der kommenden Biographie

Der Wettkampf gegen Arturo Pomar wird in der Mieses-Biographie von Johannes Geppert behandelt (erscheint im Frühjahr 2027), im Zusammenhang mit den Londoner Nachkriegsjahren.

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