Mieses – Reshevsky
Margate 1935 · Runde 7
Berühmt durch „Das Damengambit"
Diese Partie wird namentlich im Roman „The Queen's Gambit" (1983) von Walter Tevis erwähnt. Ein Zuschauer erkennt sie dort: „That's Mieses-Reshevsky. From the thirties." – „You've got it … Margate. Nineteen thirty-five." In der preisgekrönten Netflix-Serie (2020) erscheint eine Stellung aus dieser Partie in Episode 3, als die Figur Benny Watts erstmals eingeführt wird.
Samuel Reshevsky (1911–1992)
Der in Polen geborene Reshevsky war eines der größten Wunderkinder der Schachgeschichte. Bereits im Alter von fünf Jahren zeigte er 1917 im Neuen Wiener Schachklub erstaunliche Spielstärke. Mit sechs Jahren spielte er simultan gegen mehrere erwachsene Gegner. Er wurde einer der stärksten amerikanischen Spieler seiner Generation und gehörte über drei Jahrzehnte zur Weltspitze. Zum Zeitpunkt dieser Partie in Margate 1935 war er 23 Jahre alt, Mieses bereits 70.
Turnier: Margate 1935 · Eröffnung: Caro-Kann (B15) · Ergebnis: 0-1
Partiedaten und Notation
| Weiß | Jacques Mieses |
|---|---|
| Schwarz | Samuel Reshevsky |
| Anlass | Margate ENG |
| Datum | 1. Mai 1935 |
| Runde | 7 |
| Eröffnung | ECO B15 |
| Ergebnis | 0–1 |
1. e4 c6 2. d4 d5 3. Nc3 dxe4 4. Nxe4 Nf6 5. Ng3 e5 6. Be3 exd4 7. Qxd4 Qa5+ 8. Qd2 Bb4 9. c3 Be7 10. Bd3 O-O 11. N1e2 c5 12. Nf5 Bxf5 13. Bxf5 Nc6 14. O-O Rad8 15. Qc2 g6 16. Be4 Nxe4 17. Qxe4 Rfe8 18. Qc2 c4 19. b4 Qc7 20. Rfd1 Ne5 21. Bf4 Bd6 22. Nd4 Nf3+ 23. Nxf3 Bxf4 24. g3 Bh6 25. a4 Bg7 26. b5 Qc5 27. Rac1 Rd5 28. Rxd5 Qxd5 29. Nd4 Bxd4 30. cxd4 Re4 31. Rd1 Rxd4 32. Rxd4 Qxd4 33. Kf1 Kf8 34. a5 Qd3+ 35. Qe2 Qxe2+ 36. Kxe2 Ke7 37. Ke3 Kd6 38. Kd4 c3 39. Kxc3 Kc5 40. b6 axb6 0-1
Notation in englischer Schreibweise, wie im Viewer.
Der Roman (1983)
Walter Tevis, nach eigener Aussage ein „Class C"-Spieler, der bis 1978 an der Ohio University englische Literatur gelehrt hatte, veröffentlichte 1983 den Roman „The Queen's Gambit". Bei einem Turnier in Cincinnati sieht die Protagonistin Beth Harmon einem namenlosen Spieler zu, der vor Umstehenden eine Stellung aus dieser Partie analysiert. Anders als in der Serie ist das nicht Benny Watts.
Einer der Umstehenden erkennt die Partie: „That's Mieses-Reshevsky. From the thirties." Der Spieler bestätigt: „You've got it", und ergänzt: „Margate. Nineteen thirty-five." Die Partie wird als „dazzling game" (blendende Partie) beschrieben. In seiner Anmerkung zum Roman dankt Tevis dem National Master Bruce Pandolfini dafür, den Text durchgesehen und von Schachfehlern befreit zu haben.
Die Netflix-Serie (2020)
Die Verfilmung mit Anya Taylor-Joy als Beth Harmon wurde eine der erfolgreichsten Netflix-Serien (62 Millionen Haushalte in den ersten 28 Tagen). In Episode 3 wird die Figur Benny Watts (Thomas Brodie-Sangster) eingeführt, während er eine Stellung aus der Partie Mieses–Reshevsky analysiert.
Ex-Weltmeister Garry Kasparov und Schachtrainer Bruce Pandolfini fungierten als Berater für die Schachszenen.
Mieses eröffnete mit 1.e4, worauf Reshevsky die solide Caro-Kann-Verteidigung (1...c6) wählte – eine eher positionelle Eröffnung, die zu einem strategischen Kampf führte.
Im Mittelspiel tauschten beide Seiten die schweren Figuren ab. Das resultierende Bauernendspiel gewann Reshevsky.
Mieses spielte in Margate 1935 als 70-Jähriger gegen die Weltelite, darunter Ex-Weltmeister José Raúl Capablanca, Samuel Reshevsky (Turniersieger) und Sir George Thomas.
Partie-Statistik
Margate 1935 war ein starkes internationales Turnier mit Reshevsky als Sieger vor Ex-Weltmeister José Raúl Capablanca und Sir George Thomas.
Mieses war mit 70 Jahren der älteste Teilnehmer des Turniers. Er lebte zu dieser Zeit noch in Deutschland und emigrierte erst 1938 vor den Nationalsozialisten nach England.