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Berlin, Januar 1897 – Turnier des Schachvereins Centrum

Berlin, Januar 1897 – Turnier des Schachvereins Centrum

Berlin, 18.–28. Januar 1897

Nicht zu verwechseln: Das internationale Turnier zum 70-jährigen Bestehen der Berliner Schachgesellschaft fand vom 13. September bis 4. Oktober 1897 im Architektenhaus statt, hatte 19 Teilnehmer und wurde von Rudolf Charousek vor Carl August Walbrodt gewonnen. Mieses spielte dort nicht mit; er fehlt in der Kreuztabelle jenes Turniers. Diese Seite behandelt das kleine Meisterturnier des Schachvereins Centrum vom Januar desselben Jahres.

Turnier-Überblick

  • Veranstalter: Schachverein Centrum, Berlin
  • Vereinslokal: Neue Friedrichstraße 35
  • Datum: 18.–28. Januar 1897
  • Format: Rundenturnier, 7 Teilnehmer, 6 Runden
  • Preise: 300 / 200 / 150 Mark
  • Sieger: Curt von Bardeleben

Turnierdaten nach zeitgenössischen Pressemeldungen: The Baltimore Sun, 29. Januar 1897 (Berliner Depesche vom 28. Januar); Hereford Times, 6. Februar 1897; New York Tribune, 17. Januar 1897.

Mieses' Abschneiden

Ergebnis: geteilter 3.–4. Platz

3½ Punkte aus 6 Partien – geteilter 3.–4. Platz, halber dritter Preis (150 Mark)

Mieses beendete das Turnier mit 3½ aus 6 hinter dem Sieger Curt von Bardeleben und dem aus Pest angereisten Rudolf Charousek. Punktgleich mit ihm lag Wilhelm Cohn; beide teilten sich den dritten Preis von 150 Mark. Seine Punkte holte Mieses aus Siegen gegen Charousek, Heinrichsen und Gutmayer sowie einem Remis gegen Walbrodt.

Kreuztabelle

Platz Spieler 1234567 Erg. Preis
1Curt von Bardeleben ½11110 I. Preis, 300 Mark
2Rudolf Charousek ½½0111 4 II. Preis, 200 Mark
3.–4.Wilhelm Cohn 0½1011 III. Preis geteilt, 150 Mark
3.–4.Jacques Mieses 010½11 III. Preis geteilt, 150 Mark
5Carl August Walbrodt 001½01
6Arved Heinrichsen 000011 2
7Franz Gutmayer 100000 1

Endstand und Kreuztabelle nach Der schwäbische Postbote (Augsburger Schachblatt), 31. Jahrgang 1897, S. 120. Preisgelder ergänzend nach der Chronik des Deutschen Schachbundes, Deutsches Wochenschach Nr. 46/47 vom 21. November 1897, S. 431.

Vorgeschichte und Teilnehmerfeld

Angekündigt war das Turnier ursprünglich als Ehrenveranstaltung anlässlich der Anwesenheit des Altmeisters Szymon Winawer in Berlin. Die Ankündigung nannte neben Winawer die Namen von Bardeleben, Mieses, Walbrodt und Cohn.

Das erwartete Feld war zunächst größer. Mieses schrieb am 18. Dezember 1896 aus Berlin, in einem Turnier des Vereins Centrum wollten Bardeleben, Walbrodt, Mieses, Winawer, Metger, Cohn und Schlechter antreten; der New York Herald gab diese Nachricht am 4. Januar 1897 wieder. Die New York Tribune nannte am 17. Januar zusätzlich Janowski und Charousek.

Gespielt haben am Ende sieben: Bardeleben, Charousek, Cohn, Gutmayer, Heinrichsen, Mieses und Walbrodt. Winawer, Schlechter, Janowski und Metger traten sämtlich nicht an; Gutmayer und Heinrichsen rückten nach.

Ankündigung und Teilnehmerfeld nach Der schwäbische Postbote (Augsburger Schachblatt), 31. Jahrgang 1897, S. 120; New York Herald, 4. Januar 1897; New York Tribune, 17. Januar 1897.

Partien

Drei Partien des Turniers sind zeitgenössisch veröffentlicht worden. Zwei davon stehen hier vollständig; die dritte, Mieses' Remis gegen Carl August Walbrodt vom 23. Januar 1897, eine Spanische Partie, endete durch Dauerschach.

Mieses – Charousek, Wiener Partie

Berlin, Januar 1897. 1–0 nach 71 Zügen.

Mieses gewann die Turnierpartie gegen Rudolf Charousek, der im September desselben Jahres den großen Berliner Kongress gewinnen sollte. Der Londoner Standard druckte die Partie am 8. März 1897 vollständig ab und kommentierte sie. Der Anmerker hebt vor allem die Behandlung des Endspiels hervor: Weiß müsse bei sorgfältigem Spiel gewinnen, und das tue Mieses „in a commendable and instructive manner“.

Notation und Anmerkungen nach The Standard (London), 8. März 1897, S. 8. Das Spieldatum der Partie ist nicht überliefert.

Mieses – Heinrichsen, Spanische Partie

Berlin, 22. Januar 1897. 1–0 nach 25 Zügen.

Nach dem Läuferopfer auf g5 im 21. Zug öffnet Mieses die h-Linie und entscheidet die Partie mit 24.Th1xh6+. Der Springerzug 25.Sg5–e6 greift Dame und Turm zugleich an; Heinrichsen gab auf.

Notation und Anmerkungen nach Der schwäbische Postbote (Augsburger Schachblatt), 31. Jahrgang 1897, S. 216, Partie Nr. 20. Angaben zur Walbrodt-Partie ebenda, S. 120.