Jacques Mieses und Familie
Jacques Mieses entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Brody – einer Stadt, die damals zu Österreich-Ungarn gehörte und heute in der Ukraine liegt. Die Familie ließ sich in Leipzig nieder und legte großen Wert auf Bildung. Das Schachspiel lag ihr offenbar im Blut: Sein Onkel Samuel wurde von Adolf Anderssen persönlich unterrichtet, sein Vetter Viktor machte sich als Schachproblemkomponist einen Namen.
Julius Mieses
Vater (1830–?)
Der Kaufmann Julius Mieses stammte ursprünglich aus Brody (damals Österreich-Ungarn, heute Ukraine) und ließ sich mit seiner Familie in Leipzig nieder. In seinen Aufzeichnungen beschrieb er seinen Sohn Jacques als „lebhaften Windfang", der seinen Lehrern einiges abverlangte – aber auch als hochbegabt: Das Abitur legte Jacques cum laude ab.
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Henriette Mieses
Mutter
Henriette Mieses, geborene aus einer ebenfalls aus Brody stammenden Familie, war die Mutter von Jacques und seinen Geschwistern. Gemeinsam mit ihrem Mann Julius führte sie einen bürgerlichen Haushalt in Leipzig und ermöglichte ihren Kindern eine gute Ausbildung. Jacques war ihr erstes Kind, geboren am 27. Februar 1865.
Marie Mieses
Schwester
Marie blieb ihrem Bruder Jacques zeitlebens verbunden. Aus St. Petersburg schickte er ihr 1909 eine Postkarte vom großen Turnier – mit den Unterschriften aller teilnehmenden Meister, darunter Lasker, Rubinstein und Schlechter. Dieses wertvolle Dokument ist in der Galerie St. Petersburg 1909 zu sehen.
Die Familie Mieses
Familienfoto
Ein seltenes Gruppenbild der Familie Mieses. Die Familie war Teil der blühenden jüdischen Gemeinde Leipzigs, die im 19. Jahrhundert bedeutende Beiträge zum kulturellen und wirtschaftlichen Leben der Stadt leistete. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde diese Welt zerstört – Jacques emigrierte 1938 nach England.
Eine Familie im Zeichen des Schachs
Das Schachspiel war bei den Mieses gewissermaßen erblich:
Arzt in Bad Ems, wurde von Adolf Anderssen persönlich im Schach unterrichtet – dem Sieger des ersten internationalen Turniers 1851.
Bekannter Rechtsanwalt und Schachproblemkomponist, der zahlreiche Aufgaben in Schachzeitungen veröffentlichte.
Der berühmteste Schachspieler der Familie – Großmeister, Autor von über 40 Schachbüchern, Rekordhalter für die längste Turnierkarriere.
„Am 27. Februar 1865 wurde uns das erste Kind, ein Sohn geboren: Jacques (Jakob). Er entwickelte sich gut und wurde ein sehr hübscher Knabe, ein lebhafter Windfang, es hielt schwer, ihn zu erziehen... In den höheren und letzten Gymnasialklassen änderte sich das Bild, er hatte sehr gute Auffassungskraft und Begabung, machte das Abiturientenexamen cum laude und erhielt eine Prämie."
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