Bilder von Turnieren
In seiner 60-jährigen Turnierkarriere nahm Jacques Mieses an den bedeutendsten Schachturnieren der klassischen Ära teil – von Leipzig 1888 bis Hastings 1946. Diese Bilder zeigen ihn inmitten der größten Meister seiner Zeit, darunter Weltmeister, zukünftige Champions und Legenden des Spiels.
Cambridge Springs 1904
April–Mai 1904 16 Teilnehmer 15 Runden
Das erste bedeutende internationale Schachturnier des 20. Jahrhunderts in Amerika. Im luxuriösen Hotel Rider – mit über 500 Zimmern, Theater und Ballsaal – trafen sich die stärksten Spieler der Welt. Frank Marshall gewann überraschend vor Weltmeister Lasker.
Die europäischen Teilnehmer – darunter Mieses, Lasker, Schlechter, Chigorin und Janowski – waren gemeinsam auf der S.S. Pretoria nach Amerika gereist. Für Harry Nelson Pillsbury war es das letzte Turnier seiner Karriere; Mieses besiegte ihn in einer beeindruckenden Angriffspartie.
Abgebildete Personen: H. Helms, H. Cassel, J. Redding, W. Van Antwerp, C. Schlechter, F.J. Marshall, Em. Lasker, M. Chigorin, J. Mieses, G. Marco, I. Rice, D. Janowsky, J.W. Showalter, A.B. Hodges, A.W. Fox, H.N. Pillsbury, T.F. Lawrence, W.E. Napier, R. Teichmann, H. Ridder, E. Delmar, J. Barry.
Hastings 1895 – „Das Turnier des Jahrhunderts“
August–September 1895 22 Teilnehmer 21 Runden
Das Hastings-Turnier 1895 war das stärkste Turnier, das die Welt bis dahin gesehen hatte: Erstmals trafen Weltmeister Lasker, Ex-Weltmeister Steinitz, Tarrasch und Tschigorin in einem einzigen Turnier aufeinander. Die Sensation war der Sieg des 22-jährigen Amerikaners Pillsbury.
Mieses belegte den 20. Platz mit 7½/21, erzielte aber bemerkenswerte Remisen gegen alle vier stärksten Spieler der Welt. Er war der letzte lebende Teilnehmer dieses legendären Turniers – als er 50 Jahre später erneut in Hastings antrat, waren alle 21 anderen bereits verstorben.
38 Meister hatten sich beworben – nur 22 wurden zugelassen. Das Turnier fand im Brassey Institute statt, unter der Schirmherrschaft des Herzogs von York.
Karlsbad 1907
August–September 1907 21 Teilnehmer 20 Runden
Das Karlsbader Turnier 1907 war eines der stärksten Turniere der klassischen Ära – nur Lasker und Tarrasch fehlten. Hier erlebte die Schachwelt den Durchbruch einer neuen Generation: Akiba Rubinstein gewann überlegen vor Maróczy und bewies, dass die „Jungen" den etablierten Meistern ebenbürtig waren.
Mieses startete vielversprechend und lag zur Halbzeit unter den Führenden, fiel dann aber zurück. Dennoch zeigte er einige brillante Partien. Das Turnier war auch Michail Tschigorins letzter großer Auftritt – der russische Meister starb Anfang 1908.
Sitzend (v.l.): Rubinstein, Marco, Fähndrich, Tschigorin, Schlechter,
Hoffer, Tietz, Maróczy, Janowski, Dr. Neustadtl, Drobny, Marshall.
Stehend 2. Reihe: Nimzowitsch, Wolf, Mieses, Cohn, Johner,
Leonhardt, Salwe, Vidmar, Berger, Spielmann, Dus-Chotimirski, Tartakower, Dr. Olland.
San Sebastián 1911
Februar–März 1911 Mieses als Organisator
Dieses legendäre Turnier war Jacques Mieses' organisatorisches Meisterwerk! Als Turnierdirektor setzte er einen neuen Standard: Er überzeugte den Sponsor, allen Spielern Reisekosten und Unterkunft zu erstatten – eine Revolution, die zur Norm für alle späteren Spitzenturniere wurde.
Das Turnier im Grand Casino versammelte die Top 10 der Welt – nur Lasker fehlte (er heiratete!). Der Sensationssieger: der 22-jährige José Raúl Capablanca, der in Europa noch unbekannt war. Bernstein und Nimzowitsch protestierten zunächst gegen seine Teilnahme – doch der Kubaner bewies sein Können mit einem Brillanzsieg ausgerechnet gegen Bernstein!
Am Geländer: Marshall. Stehend: Burn, Leonhardt,
Duras, Vidmar, Mieses.
Sitzend hinten: Janowski, Bernstein, Schlechter, Rubinstein,
Maróczy, Capablanca, Nimzowitsch, Hoffer, Teichmann.
Sitzend vorne: Spielmann, Tarrasch.
Mieses als Turnier-Revolutionär
San Sebastián 1911 markierte einen Wendepunkt in der Schachgeschichte. Mieses' Innovationen – bezahlte Reisen, freie Unterkunft, faire Punkteprämien – schufen die Grundlage für den professionellen Turnierschachsport. Vor diesem Turnier mussten Spieler oft ihre eigenen Kosten tragen und erhielten nur Preisgelder bei Platzierungen. Mieses' Modell wurde zum Standard für alle großen Turniere der Folgezeit.
- Rubinstein – 14½/20
- Maróczy – 14/20
- Leonhardt – 12/20
- 4–5. Nimzowitsch, Schlechter
- 6. Vidmar
- ...
- 14–16. Berger, Mieses, Tschigorin
- Capablanca – 9½/14 Brillanzpreis
- Rubinstein, Vidmar – 9/14
- 4. Marshall – 8/14
- 5–6. Tarrasch, Maróczy
- ...
- Mieses – Turnierdirektor
„Die jungen Meister hatten in Karlsbad ihre Chance gegen die Crème der Weltelite – und bewiesen, dass sie mehr als ebenbürtig waren. Rubinstein gewann. Nimzowitsch, Vidmar und Duras erreichten Spitzenplätze. Während große Meister wie Marshall, Janowski und Mieses ins Mittelfeld oder ans Ende der Tabelle sanken."
Die Jahre zwischen 1907 und dem Ersten Weltkrieg gelten als Höhepunkt des klassischen Turnierschachs. Große Turniere in Karlsbad, San Sebastián, St. Petersburg und anderen Städten versammelten regelmäßig die Weltelite. Mieses war bei fast allen dabei – als Spieler, Organisator oder Berichterstatter.
Diese Turniere prägten auch den Stilkonflikt der Epoche: Die „wissenschaftliche" Schule (Tarrasch, Rubinstein) gegen die älteren Romantiker (Mieses, Tschigorin) und die aufkommenden „Hypermodernen" (Nimzowitsch, Réti). Mieses blieb seinem Angriffsstil treu – auch wenn die Ergebnisse manchmal darunter litten.