Zum Hauptinhalt springen

Cambridge Springs 1904

Europas Elite überquert den Atlantik

Turnier-Überblick

  • Datum: 25. April – 19. Mai 1904
  • Ort: Cambridge Springs, Pennsylvania, USA (Hotel Rider)
  • Format: Einfach-Rundenturnier, 15 Runden
  • Teilnehmer: 16 Spieler
  • Zeitkontrolle: 30 Züge in 2 Stunden, dann 15 Züge pro Stunde
  • Sieger: Frank Marshall (USA)

Die Reise nach Amerika

S.S. Pretoria
S.S. Pretoria – das Schiff, mit dem Europas Schachmeister 1904 nach Amerika reisten. (Library of Congress)

Im Frühjahr 1904 begab sich Europas Schachelite auf eine bemerkenswerte Reise über den Atlantik an Bord der S.S. Pretoria. Jacques Mieses reiste gemeinsam mit Weltmeister Emanuel Lasker – gegen den er fünfzehn Jahre zuvor in Leipzig ein Match bestritten hatte – sowie Carl Schlechter, Mikhail Chigorin, David Janowski, Georg Marco und Richard Teichmann. Für Mieses und Teichmann kam die Überfahrt kurz nach ihrem Match in London, was der gemeinsamen Reise eine interessante Dynamik verlieh.

(Quellen: Tournament Book von Fred Reinfeld; American Chess Bulletin Vol. 1, 1904; Gruppenfoto an Bord dokumentiert bei The Chess Collector)

Ihr Ziel war das Hotel Rider in Cambridge Springs, ein großes Resort mit über 500 Zimmern, einem Ballsaal, Theater und berühmten Mineralquellen. Die Hotelleitung hatte dieses prestigeträchtige Turnier organisiert, um Besucher in ihre Kurstadt zu locken.

Mieses' Abschneiden

Ergebnis: 8.–9. Platz

+6 =2 -7 (46,7%)

Mieses landete in der Mitte dieses außergewöhnlich starken Feldes. Seine bemerkenswerteste Leistung war ein eindrucksvoller Sieg über Harry Nelson Pillsbury mit einem attraktiven Königsangriff. Dieser Sieg war besonders bedeutsam angesichts Pillsburys Status als einer der größten amerikanischen Spieler – der Mann, der sensationell Hastings 1895 vor Lasker und Steinitz gewonnen hatte.

Pillsburys letztes Turnier

Cambridge Springs 1904 sollte sich als Pillsburys letztes großes Turnier erweisen. Der amerikanische Champion, der die Schachwelt mit seinem Sieg in Hastings und seinen legendären Blindsimultanvorstellungen begeistert hatte, litt bereits an der Krankheit, die ihm 1906 im Alter von nur 33 Jahren das Leben kosten sollte.

Marshalls Triumph und die Cambridge-Springs-Verteidigung

Das Turnier wurde von Frank Marshall gewonnen, der später US-Meister werden sollte. Marshalls Sieg etablierte ihn als Weltklassespieler. Mieses sollte später gegen Marshall ein Match bestreiten, wie in der Wettkampf-Sektion dokumentiert. Dieses Turnier gab auch der Cambridge-Springs-Verteidigung (1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 Sf6 4.Lg5 Sbd7 5.e3 c6 6.Sf3 Da5) ihren Namen, die hier erstmals gespielt wurde und bis heute eine respektierte Waffe ist.

Das Teilnehmerfeld

  • Frank Marshall (USA) – Sieger
  • Emanuel Lasker (GER) – Weltmeister
  • David Janowski (POL)
  • Georg Marco (AUT)
  • Carl Schlechter (AUT)
  • Mikhail Chigorin (RUS)
  • Harry Nelson Pillsbury (USA)
  • Jacques Mieses (GER)
  • Richard Teichmann (GER/ENG)
  • Jackson Showalter (USA)
  • William Napier (USA)
  • Albert Hodges (USA)
  • Eugene Delmar (USA)
  • Albert Fox (USA)
  • Thomas Lawrence (ENG)
  • John Barry (USA)