Der Schachlotse
Bibliografische Angaben
| Titel: | Der Schachlotse |
|---|---|
| Untertitel: | Eine Notbrücke im Eröffnungsspiel für theoretisch unerfahrene Schachfreunde |
| Autor: | Jacques Mieses |
| Verlag: | Hans Hedewig's Nachf. (Curt Ronniger), Leipzig |
| Erstausgabe: | ca. 1916 |
| Auflagen: |
1. Aufl. (~1916), 2. Aufl. (1916), 3. Aufl. (1920), 5. Aufl. (1934)
Mindestens 5 Auflagen nachgewiesen |
| Kategorie: | Eröffnungslehre Anfänger |
Der Lotse – Eine treffende Metapher
Der Titel „Schachlotse" ist eine wunderbar gewählte Metapher: So wie ein Lotse ein Schiff sicher durch gefährliche Gewässer, Untiefen und Hafeneinfahrten navigiert, so sollte dieses Buch den Schachamateur sicher durch das „labyrinthische Netz der Varianten" der Eröffnungstheorie führen.
Mieses erkannte, dass die rasant wachsende Eröffnungstheorie viele Spieler überforderte. Statt enzyklopädischer Vollständigkeit bot er eine praktische „Notbrücke" – ein Navigationssystem, das auch ohne tiefes Variantenwissen funktionierte.
Aus dem Vorwort
„An guten Lehrbüchern ist in der Schachliteratur wahrlich kein Mangel, ebenso wenig fehlt es an grossen schachtheoretischen Werken, die das weite Feld der Eröffnungen gründlich und systematisch behandeln. Aber der lernbegierige Schachfreund [...] macht meist gar bald eine deprimierende Erfahrung. Die Lehre von den Schacheröffnungen bildet heutzutage ein so ausgedehntes und kompliziertes Gebiet, dass selbst der begabteste, mit einem glänzenden Schachgedächtnis ausgestattete Amateur ein langes Studium braucht, ehe er sich auch nur einigermassen darin zurechtfindet."
Das Problem
Mieses beschreibt treffend die Frustration vieler Amateure:
- Die Eröffnungstheorie wächst ständig und wird immer komplizierter
- Das „labyrinthische Netz der Varianten" verwirrt den Lernenden
- Es geht ihm „wie ein Mühlrad im Kopfe herum"
- Trotz Studium wird kaum Spielstärke gewonnen
- Im praktischen Spiel versagen die auswendig gelernten Varianten
Die Lösung
Der Schachlotse bietet einen anderen Ansatz:
- Keine enzyklopädische Variantenflut
- Praktische Orientierung statt theoretischer Tiefe
- Verständnis der Prinzipien hinter den Zügen
- „Notbrücke" für Spieler ohne Zeit für intensives Studium
- Fokus auf die wichtigsten Stellungstypen und ihre Behandlung
The Chess Pilot – Englische Ausgabe
Nach seiner Emigration nach England 1938 übersetzte Mieses sein beliebtes Werk ins Englische. „The Chess Pilot" erschien 1947 bei Williams & Norgate in London – Mieses war zu diesem Zeitpunkt bereits 82 Jahre alt.
Zusammen mit „Manual of the End Game" und „Instructive Positions from Master Chess" bildete es ein Trio englischsprachiger Bücher, die laut British Chess News „a long and wide popularity in English" genossen.
| Titel: | The Chess Pilot |
|---|---|
| Verlag: | Williams & Norgate |
| Ort: | London |
| Jahr: | 1947 |
Zeitlose Relevanz
Mieses' Beobachtung aus dem Jahr 1916 ist heute aktueller denn je: Die Eröffnungstheorie ist durch Computer und Datenbanken exponentiell gewachsen. Moderne Spieler stehen vor denselben Problemen wie Mieses' Zeitgenossen – nur in noch größerem Ausmaß.
Sein Ansatz, Prinzipien statt Varianten zu vermitteln, ist der Grundgedanke moderner Eröffnungslehrbücher wie John Watsons „Mastering the Chess Openings" oder Jeremy Silmans Werken. Mieses war seiner Zeit voraus.
Bekannte Auflagen
| Auflage | Jahr | Verlag | Sprache |
|---|---|---|---|
| 1. Auflage | ~1916 | Hedewig's Nachf., Leipzig | DE |
| 2. Auflage | 1916 | Hedewig, Leipzig | DE |
| 3. Auflage | 1920 | Ronniger, Leipzig | DE |
| 5. Auflage | 1934 | Hedewig, Leipzig | DE |
| The Chess Pilot | 1947 | Williams & Norgate, London | EN |
Die 4. Auflage ist bisher nicht nachgewiesen; möglicherweise existieren weitere Auflagen.
Verfügbarkeit
Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich. Exemplare tauchen gelegentlich bei ZVAB, AbeBooks oder spezialisierten Schachantiquariaten auf.
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