Mieses bei den Schacholympiaden

Von der ersten Olympiade 1927 bis zum Ehrengast in Prag 1931 — Mieses' Verbindung zu den Mannschaftskämpfen der Nationen.

Die Schacholympiaden begannen 1927 als FIDE-Wettbewerb der Nationen und etablierten sich schnell als wichtigste Mannschaftsmeisterschaft im Schach. Jacques Mieses gehörte zur Generation, die diese Tradition mitbegründete und prägte.

Seine Olympiade-Geschichte spiegelt den Generationswechsel im deutschen Schach wider: vom aktiven Stammspieler in London 1927 zum ehrenvollen Beobachter in Prag 1931.

London 1927 — Die erste Schacholympiade

Turnier-Überblick

  • Datum: 18.–30. Juli 1927
  • Ort: Westminster Central Hall, London
  • Teilnehmer: 16 Nationen
  • Sieger: Ungarn (Maróczy, Nagy, Vajda, E. Steiner, Havasi)
  • Deutschland: 6. Platz

Die deutsche Mannschaft spielte in der Besetzung Tarrasch (Brett 1), Mieses (Brett 2), Carls (Brett 3) und Wagner (Brett 4). Als einziges Team bestritt Deutschland alle Begegnungen in derselben Brettreihenfolge.

Kontext: Tarrasch war mit 65 Jahren der älteste Spieler im deutschen Team, Mieses mit 62 der zweitälteste. Es war eine Generation am Ende ihrer aktiven Laufbahn. Mieses und Tarrasch waren bereits seit dem Wettkampf 1916 Rivalen.

Vorgeschichte: Paris 1924

Mieses vertrat Deutschland bereits bei der inoffiziellen Schach-Olympiade 1924 in Paris (15 Partien, 10 Siege laut Chessmetrics). Dieses Turnier fand parallel zu den Olympischen Sommerspielen statt und wird manchmal als Vorläufer der FIDE-Olympiaden betrachtet.

Prag 1931 — Mieses als Ehrengast

Turnier-Überblick

  • Datum: 11.–26. Juli 1931
  • Ort: Café U Nováků, Wenzelsplatz, Prag
  • Teilnehmer: 19 Nationen (22 gemeldet)
  • Sieger: USA (Kashdan, Marshall, Dake, Horowitz, H. Steiner)
  • Deutschland: 5. Platz (Bogoljubow, Ahues, Wagner, Richter, Helling)
Zeitungsausschnitt: Das Schach-Olympia in Prag 1931 – Mieses unter den Zuschauern
Zeitungsausschnitt von der 4. Schacholympiade in Prag, Juli 1931. Von links: Lokvenc (Österreich), Grünfeld (Österreich), Przepiorka (Polen), Rosenblatt (Polen), Mieses (Leipzig), dahinter Bogoljubow (Deutschland).

Mieses gehörte nicht zum deutschen Team in Prag 1931. Das Team hatte sich verjüngt: Bogoljubow am Spitzenbrett, Ahues, Wagner, Richter und Helling bildeten die neue Generation.

Mieses war als Ehrengast und Beobachter anwesend — die Zeitungsbildunterschrift nennt ihn als „Mieses (Leipzig)" statt „Mieses (Deutschland)". Bogoljubow gewann die individuelle Silbermedaille am Spitzenbrett (+9 −1 =7).

Das Bild zeigt den Generationswechsel eindrucksvoll: Mieses, einst Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft, nun im Publikum als respektierter Ehrengast.

Der Generationswechsel

Der Wandel zwischen London 1927 und Prag 1931 illustriert den Umbruch im deutschen Schach. Die „romantische Generation" — Tarrasch, Mieses, Carls — wich den „Neuen": Bogoljubow, Ahues, Richter.

Tarrasch starb 1934, Mieses emigrierte 1938 nach England. Die Olympiaden dokumentieren nicht nur sportliche Erfolge, sondern auch den Übergang von einer Schachepoche zur nächsten.

Mehr zur Geschichte des deutschen Schachs: Deutsche Schachgeschichte und Schach und Emigration.

Quellen und weiterführende Links