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„Die Weltmeisterschaft im Schach" – Mieses' Rückblick 1949

Die Weltmeisterschaft im Schach

Die Weltmeisterschaft im Schach

Von J. Mieses
Die Weltmeisterschaft im Schach – Artikel von Jacques Mieses Klicken zum Vergrößern
Titel Die Weltmeisterschaft im Schach
Autor J. Mieses
Zeitraum 1949 (siehe unten)
Seite 21
Illustration Zeichnung von Kate Munzer
Art Eigener Artikel
Abgebildet im Artikel: Emanuel Lasker
„Emanuel Lasker, der im Dezember v. J. 80 Jahre alt geworden wäre, hat drei Jahrzehnte den Titel eines Schachweltmeisters innegehabt."

Was in dem Artikel steht

Mieses beginnt nicht bei den Weltmeistern, sondern bei der Frage, was Schach überhaupt ist. Es sei „eigentlich nur dem Namen nach ein Spiel"; in der Bedeutung seines geistigen Inhalts erhebe es sich „zur Höhe künstlerischer Betätigung". Nötig seien dafür „scharf logisches, nüchternes Kalkulieren, gepaart mit Intuition, Phantasie und origineller Schaffenskraft". Zugleich sei Schach ein Kampfspiel, eine palaestra ingenii – eine Ringschule des Geistes. Daraus folgt für ihn der sportliche Beigeschmack, den Turniere und Wettkämpfe dem Spiel geben.

1851: der Anfang ohne Titel

Die Ära sportlicher Schachveranstaltungen setzt Mieses auf das Jahr 1851 an, als in London erstmals die besten Spieler Europas zu einem Turnier geladen wurden – von England aus, dem „Mutterlande des ganzen neuzeitlichen Sportlebens". Adolf Anderssen gewann, „womit aber kein besonderer Titel verbunden war". Wer der stärkste lebende Meister sei, blieb danach rund drei Jahrzehnte offen.

Steinitz erfindet den Titel, den er gewinnt

Aktuell wurde die Frage nach Mieses' Darstellung erst „etwa um das Jahr 1885", als Wilhelm Steinitz und Johannes Zukertort allen anderen überlegen waren. Vor ihrem Wettkampf konnte Steinitz erklären, ohne auf Widerspruch zu stoßen:

„Wir kämpfen jetzt die Weltmeisterschaft im Schach aus."

Wilhelm Steinitz, zitiert nach Jacques Mieses

Steinitz siegte – und erwarb damit, wie Mieses trocken anmerkt, einen Titel, „den er eigentlich selbst erst geschaffen hatte". Er verteidigte ihn mehrfach, bis er ihn „fast sechzigjährig" an Emanuel Lasker abgeben musste, damals „ein neu aufgehender Stern ersten Ranges".

Von Lasker bis zum leeren Thron

Lasker hielt den Titel fast drei Jahrzehnte. Erst 1921 gelang es Capablanca, dem „bis dahin unbesiegbar geltenden" Lasker eine Niederlage beizubringen. Capablanca wiederum unterlag 1927 in Buenos Aires Aljechin. Großes Aufsehen erregte 1935 der Sieg des Niederländers Max Euwe – zwei Jahre später holte sich Aljechin den Titel im Revanchekampf zurück.

Danach kam kein weiterer Zweikampf mehr zustande. Durch Aljechins plötzlichen Tod 1946 trat deshalb zum ersten Mal in der Geschichte des Schachs der Fall ein, „dass der Schachthron frei geworden ist". Der Artikel setzt an dieser Stelle zur Erklärung an, wie die FIDE das Problem lösen wollte – mit einem Turnier unter den sechs nach ihrer Bilanz berufensten Großmeistern. Dort bricht der vorliegende Ausschnitt ab; die Fortsetzung lag auf einer weiteren Seite, die nicht überliefert ist.

Mieses als Schachjournalist

Jacques Mieses war nicht nur Spieler, sondern auch ein produktiver Schachautor. Er verfasste zahlreiche Turnierbücher (u.a. das offizielle Buch zu San Sebastián 1911), Lehrbücher bei Reclam, und schrieb regelmäßig Artikel für verschiedene Zeitungen. Seine Analysen und historischen Rückblicke waren bei Lesern sehr beliebt.

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